Juni 2017

Zeitschrift VDMA Nachrichten, Fokus Technik, Ausgabe Juli 2017 (Artikel in Auszügen) 

Getränkeindustrie – Wassertechnik mit Reinheitsgebot

Anlagen, die Abwasser reinigen, etwa in der Bier- oder Mineralwasserproduktion, zählen zu den Spezialitäten der INVENT Umwelt- und Verfahrenstechnik AG aus Erlangen. Die gesetzlichen Auflagen variieren je nach Land und Standort. „Wenn eine Brauerei mitten in der Stadt sitzt, kann sie das Abwasser oft direkt in die kommunale Kanalisation leiten“, erklärt Dr. Marcus Höfken, Vorstandsvorsitzender bei INVENT sowie Vorsitzender der VDMA Fachabteilung Wasser- und Abwassertechnik. „Sie muss sich dann an den Vorschriften eines Indirekteinleiters orientieren. Das heißt, sie leitet in die Kanalisation ein und muss das Abwasser zwischenspeichern können.“ Es werde in der Regel nachts abgeleitet, weil die Kläranlage wegen der dann geringen Auslastung leicht abbaubares industrielles Abwasser gerne aufnehme. Im Gegensatz dazu müssen außerhalb der Städte gelegene Brauereien oder Getränkeabfüller große Abwassermengen meist direkt in einen Vorfluter einleiten. Sie benötigen eigene Kläranlagen, die sehr hohe hygienische Anforderungen erfüllen müssen.

Abwasser gut belüften

„Bei indirekten Einleitern kommen oft Reinigungsmittel zum Einsatz, die dem biologischen Prozess von Kläranlagen schaden können“, ergänzt Dr. Peter Huber, der globale Prozessexperte bei INVENT. „Um das Reinigungsmittel oder andere Stoffe zu verdünnen, vergleichmäßigt die Anlagentechnik die verschiedenen Ströme.“ Zudem bestehe die Gefahr von saurem Abwasser, das mit seinem niedrigen pH-Wert die Kanalisation angreift oder unangenehme Gerüche entwickelt. Hier setzt die Anlagentechnik ein, die das Abwasser gut belüftet.

Direkteinleiter sind ausfallsicher

Anders sieht es bei den Direkteinleitern aus, die ihr oft sehr verschmutztes Abwasser mit viel Luftsauerstoff reinigen. Diese Kläranlagen zeichnen sich im Idealfall durch eine effiziente Arbeitsweise mit geringem Energieverbrauch aus. Sie sind sehr robust und ausfallsicher, denn Stillstand würde den sofortigen Produktionsstopp bedeuten. Zentral ist auch das Recycling, denn ein Großteil des verbrauchten Abwassers, bei Brauereien sind es 40 Prozent, kommt erneut in den Verarbeitungsprozess. „Die Anforderungen an die Abwasserreinigung fallen daher in der Regel sehr individuell aus“, erläutert Höfken.

Aktuell wichtig sei es, Wasser zu sparen und wiederzuverwenden. Gefragt sei auch konkurrenzfähige Technik, die sich einfach, mit wenig Personal bedienen lasse und zugleich repräsentativ und innovativ sei. Daher gleiche fast keine Anlage der anderen, jede entstehe maßgeschneidert aus dem Baukasten.

Per Simulation zur passgenauen Anlage

Die Basis ist dabei ein schrittweises Verfahren, das der Systemlieferant bedarfsgerecht an die jeweilige Produktion anpasst. Dies reicht vom Sammeln des Wassers bis zum abschließenden Einleiten. Bei der Entwicklung derart komplexer Anlagen übernimmt die Simulationstechnik eine wichtige Rolle. „Virtual Engineering spart viele Kosten, erhöht die Betriebssicherheit und optimiert den Prozess“, lobt Höfken das Verfahren.

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